ACHTUNG:

Die Geburt meines Sohnes war keine leichte Geburt. Ich habe in diesem Bericht nichts verschönt. Falls du also Schwanger bist und die Geburt deines Kindes kurz bevorsteht, empfehle ich dir, diesen Bericht nicht zu lesen.

Für die Geburt unseres Sohnes haben wir eine Hausgeburt angestrebt. Es war mein großer Wunsch. Die Geburt endete im Krankenhaus. Ich würde es dennoch nie anders machen in der Zukunft.

Am 24., nach der Rechnung meiner Frauenärztin, wurde der Termin zur Geburt meines Sohnes geschätzt. So ein Termin wird in den allermeisten Fällen nicht hinhauen, denn die Babies machen sich entweder schon vorher, oder sehr gerne auch Tage bis Wochen später auf den Weg. Umso erstaunter war ich, als in der Nacht des 24. meine Fruchtblase aufging. Es war ein angenehmes, sehr warmes und etwas schleimiges Gefühl unter mir. Ich prüfte das Fruchtwasser, welches sich als ausgezeichnet herausstellte und versuchte weiter zu schlafen, denn es war ja mitten in der Nacht. Früh am Morgen schrieb ich unserer Hebamme, die dann bereits eine Stunde später bei uns auf der Matte stand mit all´ ihren Gerätschaften und Köfferchen. Die Hebamme beschloss, mit einem CTG zu schauen, wie es meinem Baby geht. Die Herztöne waren prima, nur die Wehentätigkeit noch sehr träge. Ich selbst habe von irgendwelchen Wellen bis dato noch gar nichts gespürt, deshalb bekam ich ein homoöpathisches Mittel zur Unterstützung. Unsere Hebamme verabschiedete sich nun von uns, um ihre Schicht im Geburtshaus anzutreten. Der Tag verstrich, es gab Kartoffelbrei mit Gurkensalat und wir waren noch einmal lange Spazieren. Am Nachmittag kam sie wieder zu uns um nach einem zufriedenstellenden CTG nochmals loszufahren. Wehen hatte ich noch keine. Bei uns ging es mit einem Bad, heißer Schokolade und der ersten Folge von „Breaking Bad“ weiter. Inzwischen merkte ich schon leichte Kontraktionen, die mich aber noch lange nicht aus der Ruhe brachten.

Gegen 23 Uhr kam die Hebamme nun wieder, um bei uns zu bleiben. Nach Absprache mit ihr habe ich mir selbst einen Einlauf gemacht – das war mir wichtig. Um weiterhin Ruhe zu bewahren, legte ich mich in mein Bett und lauschte einer Hypnobirthing Trance, als die Hebamme mich unterbrach und fragte, ob es vielleicht besser sei, ins Geburtshaus zu fahren, um dort die Geburtswanne zu nutzen. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, denn es war mein Herzenswunsch, mein Kind zu Hause zu gebären. Der Druck, 24 Stunden nach dem Öffnen der Fruchtblase richtige Wehen zu bekommen, sowie die unterschwellige Ungeduld meiner Hebamme führten dazu, dass wir einwilligten.

Die Fahrt war abenteuerlich, das Auto der Hebamme war vollgepackt bis obenhin und bei mir setzten nun erste stärkere Wehen ein. Diese zu veratmen, ohne viel Platz für meinen Kugelbauch zu haben, war nicht einfach. Die Hebamme äußerte sich folgendermaßen: „Das sind noch keine Geburtswehen Lynne, das sind sogenannte Vorwehen, die du nicht hattest.“. Was mich wohl noch erwarten würde? Wir erreichten das Geburtshaus um etwa 1 Uhr nachts und ich durfte gleich in die vorbereitete Geburtswanne. Daniel legte George Harrison auf und wir warteten. Die Wärme der Badewanne tat gut und die Wirkung der homoöpathischen Mittel verstärkte sich.

Plötzlich überrannte mich ein großer Schmerz, völlig aus dem Nichts. Vorbereitet mit Hypnobirthing waren Schmerzen das Letzte, was ich erwartet hatte. Es überraschte mich so sehr, dass ich geschrien habe. Ich erinnere mich, wie die Hebamme ins Zimmer kam und meinte: „Endlich fängst du an mit den Wehen zu arbeiten Lynne.“.
Bis zu diesem Zeitpunkt war ich sehr entspannt, aber nun hatte ich Angst vor weiteren Kontraktionen und damit verbundenen Schmerzen. Es kam wieder, ich schrie wieder. Die Hebamme gab mir den Rat, die Wellen weiter zu veratmen, indem ich schreie. Ich habe versucht die Hypnobirthingatmung anzuwenden, aber es ging einfach nicht. Ich konnte meinen Bauchraum nicht durch meine Atmung erweitern, das führte zu größeren Schmerzen. Meine Trauer über die Machtlosigkeit gegenüber der Schmerzen stieg. Die Stunden vergingen und ich wanderte zwischen Geburtswanne und Bett hin und her.
Im Bett tastete die Hebamme nach meinem Muttermund – stündlich! Sie hörte zudem mit einem CTG die Herztöne meines Babies ab. Immerhin schien es ihm gut zu gehen. Die Wellen wurden immer stärker, ich bekam Buscopan in den Po gespritzt und ein Eis zum Lutschen.
Mein Muttermund war aber leider um 4 Uhr nachts gerade mal bei 2cm. Vierundzwanzig Stunden waren verstrichen, meine Schmerzen waren groß und die Hebamme schlug vor, ins Krankenhaus zu fahren, aufgrund des Infektionsrisikos.
Das war wirklich das Letzte, was ich wollte. Wir sind geblieben, bis 11 Uhr am Vormittag. Mein Muttermund hat es in dieser Zeit auf 6 cm geschafft. Diese Stunden waren so intensiv, schmerzvoll und erniedrigend. Die Hebamme dehnte meinen Muttermund stündlich indem sie ihre Finger während einer Kontraktion in meine Scheide steckte und diese am Muttermund spreizte. Das waren wirklich die schmerzhaftesten Minuten, die ich je erlebt habe und ich bin wirklich nicht zimperlich. Ich dachte, dass ich sterben muss. Dass ich mein Kind auf die Welt bringen würde, war in weite Ferne gerückt.
Daniel wirkte mit allem überfordert und vor allem müde! Trotzdem hat er sich so gut er konnte um mich gekümmert und war mir eine große Stütze, wann immer ich eine Welle verschreien musste.
Ich war am Ende und wir fuhren ins Krankenhaus. Alles was ich wollte war, dass diese Schmerzen aufhörten. Der Weg dorthin – wieder im vollbeladenen Auto der Hebamme, mit langer Parkplatzsuche und Wartezeit bei der Anmeldung – war gekennzeichnet von tiefer Traurigkeit über den Verlauf der Geburt, von Gefühlen des Versagens und der Angst.
Um 15:30 Uhr wurde mir eine PDA gelegt, ich bekam einen Antibiotikatropf, einen Wehentropf und hatte ein CTG um den Bauch. Ich war bewegungsunfähig verkabelt. Von Freiheit keine Spur. Ich war froh, dass meine Hebamme und inzwischen auch ihre Kollegin bei mir waren.
Der Wehentropf half, meinen Muttermund vollständig zu öffnen. Ich hatte auch keine Schmerzen mehr. Leider zeigte sich nun das nächste Problem.
Mein Baby wollte seinen Kopf nicht einstellen. Die Hebammen versuchten in den nächsten Stunden durch verschiedene Positionierungen meinerseits und weitere homöopathische Mittel, den Kleinen in die richtige Position zu bringen. Es wollte nicht klappen und es war die Rede von einem Kaiserschnitt.

Ich wollte nicht aufgeben und es weiter probieren. Es war wie ein Wunder, denn eine halbe Stunde später rutschte Joshua im Geburtskanal nach unten und kam zwischen vielen Kabeln und Schläuchen um 19:02 Uhr zur Welt, am 25.02..
Es war unglaublich, dass er endlich da war. All´ die Stunden haben sich ausgezahlt. Auch wenn ich aufgrund des Drogeneinflusses der Medikamente etwas berauscht war, war es dennoch der schönste Augenblick in meinem Leben.

Ein kleiner Dammriss musste genäht werden. Danach durften wir ein paar Stunden einfach nur Kuscheln und uns Kennenlernen. Vier Stunden nach der Geburt haben wir uns selbst entlassen und sind zu uns nach Hause gegangen, um die erste Nacht gemeinsam in unserem Familienbett zu verbringen.

Es war wunderschön und ich bin so dankbar für dieses Geschenk!

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