Im Jobcenter hat man mir gesagt, dass ich auf keinen Fall länger als ein Jahr zu Hause bleiben sollte, da ich sonst weg bin vom Arbeitsmarkt.
Das ist eine Sache, die ich nicht verstehe. Nun, ich wusste es vorher nicht, aber nach mittlerweile 14 Monaten der Elternschaft muss ich doch sagen, dass ich einige Fähigkeiten dazu gewonnen habe.
Ich bin flexibler, meine Multitasking Eigenschaften haben sich um ein Vielfaches verbessert, ich kann rund um die Uhr arbeiten, kann gut mit Lärm, kann gut ganz leise, kann Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden und meine Geduldsgrenze hat sich auch um Einiges erweitert.
Müsste ich mit diesem Profil nicht jeden Job bekommen?

Ich bin wirklich gerne Mutter, doch zugegeben, es fällt mir schwer an mich zu denken. Anderen Müttern gelingt das wohl besser. Für andere Mütter ist es auch kein großes Problem ihr Kind mit einem Jahr in eine Kinderkrippe zu geben. Andere hingegen tun es, fühlen sich aber nicht sehr wohl damit. Die Gründe sind sehr individuell und ich möchte auf keinen Fall alle Mütter über einen Kamm scheren. Es soll hier um mein Empfinden gehen.

Für mich persönlich gibt es nichts Schöneres, als meinen Sohn aufwachsen zu sehen und für ihn und seine Bedürfnisse da zu sein. Ich weiß, dass das in Kitas oft nicht geht, weil zum Beispiel das Personal knapp ist. Da ich selbst Erzieherin bin, habe ich mich in vergangenen Jobs selbst schon genervt und überfordert erlebt. Ich habe sogar oft ein Verhalten gezeigt, für das ich mich hinterher geschämt habe. Ich habe meine Überforderung an den Kindern ausgelassen, in dem ich nicht immer einfühlsam und teilweise sehr streng war.

Jetzt, wo ich selbst Mama bin, merke ich, wie viele Bedürfnisse so ein kleiner Mensch hat und wie wichtig es ist, auf diese Bedürfnisse einzugehen. Überfordert bin ich manchmal immer noch, aber ich habe viel mehr Zeit zu reflektieren und innezuhalten, bevor ich reagiere. Meine Empathie wächst mit jedem Tag, an dem ich mich um meinen Sohn kümmere.

Die Kleinen verändern und entwickeln sich so schnell in ihren ersten Lebensjahren.
Ich habe jetzt die Zeit, meinen Sohn kennenzulernen, ihm ein bedürfnisorientiertes Aufwachsen zu ermöglichen, ihm die Welt zu zeigen, ihn sich ausprobieren zu lassen und sein sicherer Hafen zu sein. Jetzt braucht er mich. Wir schaffen gemeinsam eine Vertrauensbasis von der aus wir wachsen und uns entwachsen können.

Das fühlt sich für mich natürlich an. Ihn jetzt fremdbetreuen zu lassen, fühlt sich nicht gut und natürlich an. Es erregt in mir ein Gefühl von Panik. Das mag extrem klingen, aber ich erlebe wie sich nach und nach alles von selbst ergibt, zur richtigen Zeit. Und ich will mir die Selbstbestimmtheit in diesem Bezug nicht nehmen lassen.

Woher weiß der Staat oder in dem konkreten Fall das Jobcenter, was die richtige Zeit für eine Mutter und ihr Kind ist? Maximal ein Jahr soll einem die Zeit geben, die Basis für eine lebenslange Beziehung zu schaffen? Alleine der Druck der dabei entsteht, macht es in meinen Augen unmöglich, sich 100% darauf einzulassen und es zu genießen.
Dazu kommen meist auch andere Probleme im Alltag, in der Partnerschaft, im Freundeskreis und natürlich mit einem Selbst.

Ein Kind schafft eine so große Veränderung im Leben und ich fühle mich nach bald 1,5 Jahren noch nicht so weit zu sagen, dass ich „gut bin“, mit dem was ist. Elternzeit ist viel mehr als sich um sein Kind zu kümmern. Für mich habe ich das Gefühl, dass die Elternzeit „vorbei ist“, wenn ich es gut schaffe, mich um mein Kind und um mich zu kümmern.

Es sind im Höchstfall 3 Jahre dazu vorgesehen, die unterstützt werden. Ich finde das gut. Ob diese 3 Jahre ausreichen, kann ich noch nicht sagen, aber es wäre wünschenswert, wenn man uns Müttern, die diese Zeit brauchen, kein schlechtes Gewissen macht und sie nicht unter Druck setzt. Es wäre wünschenswert, wenn man die Erfahrung, die man in dieser Zeit sammelt, als Qualifikation angerechnet bekommt und nicht als Ausfall. Eigentlich wäre noch so vieles mehr wünschenswert, aber ich möchte es jetzt auch nicht übertreiben.

Ich denke, ich habe meinen Standpunkt klargemacht und hoffe, dass sich vielleicht ein paar von euch dazu ermutigen lassen, eurer Intuition zu folgen und dem Druck standzuhalten.

Die Huffington Post veröffentlichte dazu übrigens einst einen interessanten Artikel zum Wachrütteln. Elternsein sei die härteste Arbeit der Welt, heißt es da.   🙂

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